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Dieses Jahr ging die traditionelle Herbstreise der Solothurner Singknaben nach Ungarn. Vorgesehen waren fünf Konzerte in fünf verschiedenen Städten des östlichen Landesteils - ein ebenso abwechslungsreiches wie anspruchsvolles Programm.

Schon am ersten Abend nach der weiten Reise mit dem Zug, dem Flugzeug und dem Bus fand in Tiszafüred, einer kleinen Ortschaft 150 Kilometer von Budapest entfernt, das erste Konzert statt. Die örtliche Grundschule bereitete dem Chor nach dem Konzert einen herzlichen  Empfang mit warmem Tee, einem Glas Wein für die Grösseren und ungarischem Gebäck. Doch damit war der lange Tag noch nicht zu Ende. Für die meisten stand zu Hause in den Gastfamilien ein üppiges Nachtessen bereit. Dabei hatten die Sänger zum ersten Mal Gelegenheit, die Menschen vom Land und ihre Kultur kennenzulernen - freilich vor allem in Bezug auf das Kulinarische, denn die Verständigung war nicht immer ganz einfach. Zu später Stunde sanken die jungen Sänger schliesslich todmüde, aber um viele Eindrücke reicher in ihre fremden Betten.

Gastfamilien

Leider mussten sich die Sänger immer wieder von ihren Gastgebern verabschieden - oft viel zu schnell, besonders, wenn sich - wie so oft - bereits freundschaftliche Bande entwickelt hatten. Schliesslich fand man sich in der vertrauten Chorgemeinschaft wieder. Sie ist es, die zur besonderen Atmosphäre der Reise beiträgt - und für viele Knaben ist sie ein Stück Heimat in der fremden Welt. - Auf dem Tagesprogramm standen Besichtigungen der Städte oder Ausflüge in die Umgebung. Die Puszta beeindruckte die Kinder durch die unendliche Weite und Kargheit. Nach einer traditionellen Vorführung husarischer Reiterkünste durften die Knaben die Pferde besteigen und selbst ein paar Runden drehen. In einem kleinen, aber sehr gepflegten Zoo freuten sie sich über lebhafte Seelöwen und sehr hungrige Giraffen. Solche Momente dienten zur Erholung von den Strapazen der Reise.

Ungarisches Kulturbewusstsein

In Debrecen, der zweitgrössten Stadt nach Budapest, wurde der Chor singend empfangen. Die gesamte Schülerschaft stand Spalier und trug kleine, selbst hergestellte Schweizer Fähnchen. Die Sänger kamen in den Genuss einer Musikstunde und besuchten später den Tanzunterricht. Besonders beeindruckend war die Perfektion und die Begeisterung, womit die Schulkinder ihre Volkstänze zum Besten gaben. Derlei Kulturpflege ist bei uns selten geworden - leider. Fast regt ein wenig Neid, wenn man sieht, wie intensiv die Ungarn ihre Bräuche und ihre Volksmusik pflegen. Das Publikum war denn auch sehr angetan von der Zugabe, einem ungarischen Nachtlied von Lajos Bárdos, womit die Solothurner ihre Konzerte abrundeten.

Die Singknaben und die Grossstadt

Zum Abschluss der Reise war der Chor zwei Tage in Budapest. Da erlebten die Singknaben die Tücken einer Grossstadt: viele wohnten am Stadtrand, mehr als eine U-Bahnstunde vom Konzertort entfernt. Am Morgen des zweiten Tages fand sich ein Grossteil der Sänger ohne Tenue ein - in der Annahme, man gehe vor dem Konzert noch einmal in die Gastfamilien zurück. Der Plan war aber anders: die Zeit dazu war zu knapp. Die Gattin des Dirigenten des Gastchors konnte in letzter Minute alle fehlenden Tenues organisieren - das letzte Hemd traf drei Minuten vor dem Konzertbeginn ein... Dem Konzert, das im Rahmen eines Festivals stattfand, wohnten der Stellvertreter des Schweizer Botschafters und der päpstliche Nuntius Erzbischof Rauber bei. Der Auftritt wurde vom ungarischen Fernsehen aufgezeichnet.

Am letzten Tag hatten die Sänger Zeit, bei strahlendem Sonnenschein die Stadt zu besichtigen und vielleicht da und dort ein Andenken zu erstehen. Doch schon früh gings per Bus zum Flughafen, von wo eine Maschine der Malev den Chor heil in die Schweiz brachte.

Die Ungarnreise 1999 wird dem Chor in bester Erinnerung bleiben: die Landschaft, das Essen, die Gastfreundschaft und die Menschen mit ihrer eindrücklichen und wohlgepflegten Kultur.


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