Wie alle Jahre wieder stand auch in diesem Jahr in der ersten Herbstferienwoche eine Konzertreise nach Süddeutschland auf dem Programm.
Obwohl es zuerst so aussah, als fände 1998 keine Reise statt, weil uns sowohl Irland, England als auch Italien noch nicht einmal auf unsere Anfragen geantwortet
haben, mit jeweils einer Ausnahme, konnten im letzten Moment doch noch vier Konzertorte in Deutschland gefunden werden, was allerdings mit einigem Aufwand und
Herzklopfen, nach dem Motto:"Klappt's oder klappt es nicht?" verbunden war.
Bruchsal
So starteten 46 Singknaben, der musikalische Leiter, unser Flötist und der Tourleiter
am 26. September mittags um ca. 11.30 Uhr mit dem Bus ab Bieltour zur dieses Mal
etwas reduzierten Reise. Schon bald war die Grenze in Basel passiert, ging die Fahrt
direkt nach Bruchsal, Nähe Karlsruhe, unserer ersten Konzertstation. Nach der Stellprobe fand dann sofort die Verteilung auf die Gastfamilien statt, immer ein grosser
Moment, da man ja nie weiss, wo man an diesem Abend sein müdes Haupt niederlegen kann. Für die Knaben, die das erste Mal dabei waren, sicher ein spannender
Augenblick. Nun, die Gasteltern waren nach den Aussagen der Jungens alle sehr
nett und hilfsbereit, so dass sich keinerlei Probleme ergaben. So, wie in Bruchsal war
es dann auch in den anderen Städten, wo wir Konzerte geben konnten.
Herzogenaurach
Das erste Konzert kann als gut bezeichnet werden, Kirche und die allgemeine Ambiance trugen das ihre dazu bei, also ein geglückter Auftakt. Leider hiess es am
Sonntagmorgen wieder Abschied nehmen, um ca. 10.00 Uhr nahmen wir Kurs auf
Herzogenaurach in der Nähe von Nürnberg. Hinzu kam noch, dass der 27. September Wahlsonntag in Deutschland war, was dann am Abend in den Familien teils zu
erfreuten, teils aber auch zu betrübten Gesichtern führte, je nachdem, auf welcher
Seite der eine oder andere Bürger politisch stand. Da unser Konzert bereits um
17.00 Uhr in einer schönen Kirche stattfand und die Besucher zu dieser Zeit noch
nicht wussten, wie die Wahl ausgegangen war, konnten wir unser Konzert vor einem
fachkundigen Publikum in aller Ruhe durchführen.
Das Konzert war in drei Blöcken aufgeteilt, zwischen den Blöcken spielte unser Flötist Turo Grolimund jeweils ein Flötensolo vor, so dass dadurch das Konzert eine be-
deutende Bereicherung erfuhr, denn Turo Grolimund trug seine Stücke wie gewohnt
meisterlich vor.
Speyer
Am Montag gings dann in die alte Kaiserstadt der Salier nach Speyer. Dort musste
unser Busfahrer eine Millimeterarbeit vollbringen, um den Bus in den Hof der St. Josephskirche hinein zu manöverieren und das bei einem sehr starken Autoverkehr vor
der Kirche. Die Kirche St. Joseph steht dem Kaiserdom von Speyer punkto Grosse in
nichts nach. Wir hatten schon Angst, dass wir praktisch vor leeren Bänken singen
müssten. Aber wie ein Wunder war dann zu Konzertbeginn die Kirche halb gefüllt,
das bedeutete ca. 500 Zuhörer, für Montagabend eine beachtliche Menge. Getragen
von dieser sehr interessierten Zuhörerschaft lieferten die Singknaben ein hervorragendes Konzert ab, was mit viel Beifall verdankt wurde.
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Am anderen Morgen unternahmen wir einen Spaziergang zum Kaiserdom von
Speyer, der momentan im Inneren renoviert wird, was uns ein Auftritt im Dom verunmöglichte. Aber wir konnten dann doch noch in der Krypta ein Lied singen und alle
waren hingerissen von dieser Akustik.
Gengenbach
Anschliessend ging's per Pedes wieder zurück zum Bus und die nächste Etappe
wurde in Angriff genommen. Punkt 11.45 Uhr trafen wir in dem wunderschönen badischen Städtchen Gengenbach, Nähe Offenburg ein und wurden dort von einigen
Mitarbeitern der HUKLA-Werke empfangen. Die HUKLA fertigt Polstermöbel und
Matratzen verschiedenster Art, allein pro Tag 3000 Matratzen (wer schläft nur auf all
diesen Matratzen?) Mit 2'300 Mitarbeitern ist dieses Unternehmen ein wichtiger Arbeitgeber in der Region. Die Firma hatte uns zum Mittagessen eingeladen und als wir
so in die Kantine geführt wurden, dachten wir, nun heisst es anstehen und Essen
fassen, wie das halt in solchen Kantinen üblich ist. Aber nichts dergleichen, die Kantine war nur ein Durchgang zu einem speziellem Speisekasino, wo für uns die Tische
mit weissen Decken und gutem Geschirr gedeckt waren. Uns wurde ein vorzügliches
Essen mit Getränken und Dessert serviert, also alles in einem sehr noblen Rahmen.
Nun, jedem das, was ihm gebührt!
Nach dem Essen gings auf einen Betriebsrundgang, wo die Knaben die Herstellung
von Polstermöbel verfolgen konnten, alles sehr interessant, aber sicher hat auch
mancher gedacht, das möchte ich nicht jeden Tag mein ganzes Leben machen' Mit
einem herzlichen Dankeschön an die Geschäftsleitung und an die Herren, die uns
geführt hatten, fuhren wir dann in wenigen Minuten zur Stadtkirche von Gengenbach,
ein monumentaler Bau mit verschiedenen Stilrichtungen, wobei man nicht vergessen
darf, dass Gengenbach in früheren Jahrhunderten einmal freie Reichsstadt war.
Am Abend fand dann dort das letzte Konzert unserer Reise statt, der Chor legte noch
einmal sein ganzes Können in die Waagschale und wurde dafür mit sehr starkem
Beifall, einer guten Kollekte und einem guten Verkauf an CD's reichlich belohnt.
An allen Tagen hatten wir annehmbares Wetter, manchmal sogar sommerlich warm,
aber ausgerechnet am letzten Tag, an dem ein Besuch im Europapark Rust stattfand, regnete es wie aus Kübeln. Trotzdem war die Sängerschar nicht von einem
Besuch im Rust abzubringen, trotz zweimaligem Hinweis auf die regnerische Situation, so dass mit diesem Besuch ein für alle Teile zufriedenstellender Abschluss der
Reise gewährleistet war. Um ca. 15.00 Uhr traten wir die Heimreise an, denn wir
wollten pünktlich zu Hause ankommen, damit die Eltern nicht warten mussten, weil
es in Solothurn ebenfalls regnete.
Grobe Busreinigung fand dann an der Raststätte Deitingen statt. Um 17.30 Uhr kamen wir am Amthausplatz an, Gepäck entladen hiess die Devise, Danke dem Fahrer
sagen, der uns mustergültig und mit viel Nachsicht wieder gesund nach Hause gebracht hatte. Nach dem Wiedersehen mit den Eltern konnten die Singknaben nun die
restlichen zwei Wochen Ferien mit ihren Angehörigen geniessen.
Wolfgang Lehmann
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