Die Konzertreise im Herbst 2003 führte die Singknaben quer durch die Slowakei. Von Wien aus reisten wir mit dem Bus über Bratislava in den Osten nach Košice. Zurück ging es über Vranov nad Toplou, Banska Bystrica, und Prievidza.
Eine «grosse» Reise
Es war eine jener aussergewöhnlichen Reisen mit dem Flugzeug in ein für die meisten unbekanntes Land, wie es sie bei den Singknaben nur alle paar Jahre gibt. Dies konnte man schon am Morgen unserer Abreise manchem, der wohl nicht ganz sicher wusste, ob er nun freudig oder ängstlich erregt auf die vor ihm liegende Woche blicken sollte, vom Gesicht ablesen. Die Aufregung bekam auch der Pilot des Flugs nach Wien zu spüren, der wahrscheinlich noch nie nach einem so kurzen Flug einen so tosenden Applaus bekommen hatte.

Bratislava
Bratislava, in Sichtweite der österreichischen Grenze, war unser erster Konzertort. Da in der slowakischen Hauptstadt zwei Tage Aufenthalt geplant waren, stand der erste Abend der Reise nach der Verteilung auf die Gastfamilien zur freien Verfügung. Diese Gelegenheit wurde vor allem von den älteren Chormitgliedern genutzt, sich von ihren Gastgebern die Stadt zeigen zu lassen; schliesslich fand sich beinahe der ganze Männerchor in einer Karaokebar, wo drei von uns zu vorgerückter Stunde «Sweet Home Alabama» zum Besten gaben.
Glücklicherweise erwies sich diese Begebenheit aber nicht als musikalischer Höhepunkt unserer Tournee. Das Konzert am zweiten Abend in Bratislava hätte diesen Titel schon eher verdient: Vor einem genauso zahlreichen wie begeisterten Publikum gelang unserem Chor ein wunderbares Konzert, das Massstäbe für die ganze folgende Woche setzte. Dass auch der schweizer Botschafter in den Reihen sass, erfuhren die meisten von uns zwar erst im Nachhinein, doch soll er vor dem Konzert gespannt gefragt haben: «Wo sind nun meine Jungs?»

Košice
Weit im Osten der Slowakei gelegen, war die zweitgrösste Stadt des Landes unser nächstes Reiseziel. Für viele von uns war der zweitägige Aufenthalt in Košice der eigentliche Höhepunkt der Reise: Der gastgebende Chor hatte erreicht, dass alle Singknaben während zweier Tage alle öffentlichen Verkehrsmittel der Stadt gratis benutzen konnten, und eine Sängerin hatte bis tief in die Nacht am Text einer Stadtführung gearbeitet, anlässlich welcher sie uns am folgenden Tag das historische Zentrum von Košice zeigte. Dies nur zwei Beispiele dafür, wie aufmerksam sich unsere Gastgeber so um uns kümmerten, dass unser Leiter Peter Scherer Abends am Konzert gerührt feststellen musste, eine solche Gastfreundschaft gebe es eigentlich nur im Osten.
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Wiederum zeigte sich, dass ein begeistertes Publikum unseren Chor zu ungeahnten Leistungen antreiben konnte: Eine zum Bersten gefüllte Kirche, in welcher die Zuhörer ihre Freude auch mal durch begeisterte Zurufe kundtaten, war eine unbeschreibliche Erfahrung, die wir auf dieser Reise noch mehrmals machen durften.
Als wir Košice am nächsten Morgen verliessen, hatten einige Mädchen feuchte Augen, und auch von den Singknaben schienen mehrere junge Männer einen ziemlichen Kloss im Hals zu haben...

Vranov nad Toplou, Banska Bystrica und Prievidza
An den drei übrigen Konzertorten verbrachten wir jeweils nur einen Tag, erlebten aber nichtsdestotrotz unvergessliche Momente. Der Gastgeberchor aus Vranov war im Juli diesen Jahres bei uns in Solothurn gewesen, sodass es für viele ein fröhliches Wiedersehen gab.
In Banska Bystrica, einer alten Bergbaustadt mit einem wunderschönen historischen Stadtkern war der ganze Chor in einem Studentenheim untergebracht, wo vor allem die jungen Sänger auf ihre Kosten kamen: Sie genossen es sichtlich, für einmal wie in einem Lager zusammen mit ihren Kollegen vom Chor übernachten zu dürfen, waren sie doch sonst meistens allein in Gastfamilien untergebracht, wo oftmals niemand Deutsch oder Englisch sprach. Umso beeindruckender war es, zu sehen, wie meisterhaft sich selbst die Jüngsten von uns in einer solchen Situation schlugen und sich mittels Wörterbüchern bestens mit ihren Gastfamilien verständigten.

In Prievidza schliesslich fand unsere Reise in der Besichtigung des imposanten Schlosses Bojnice und einem Konzert, bei dem wirklich alle, der Chor wie das Publikum, noch einmal ihr Bestes gaben, einen würdigen Abschluss. Fast ein wenig zu viel des Guten, möchte man meinen, denn, so waren sich viele einig, diese Konzerttournee werde an schönen Erlebnissen kaum je zu übertreffen sein. Doch dies war noch lange kein Grund, auf der Rückreise in Trübsal zu versinken: Der Pilot wird sich wohl wiederum eine Weile an die laute, fröhliche Reisegesellschaft erinnern.
Andreas Müller
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