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Punkt acht Uhr gings an diesem kalten Samstagmorgen ab in Richtung Norden. Der Bus – gefüllt mit rund 45 singwilligen Knaben und jungen Männern im Alter von 9-26 Jahren, drei Musikern, einem Chorleiter, einem Reiseleiter und zuvorderst einem sehr deutschlandkundigen Busfahrer – nahm Kurs auf Deutschland. Die Singknaben machten sich auf eine 8-tägige Tournee quer durch Deutschland, angefangen im Glottertal über Wiesbaden nach Fritzlar, Göttingen, Aachen, Stuttgart und Heilbronn.

Im Schwarzwald

Die erste Station auf dieser Reise war gleichzeitig die kleinste und manch einer fragte sich beim Aussteigen aus dem Bus, ob man hier denn wirklich in unserem grossen Nachbarland sei oder doch vielleicht nicht irgendwo im Emmental... Es wurde aber jedem schnell klar, dass man sich hier in Deutschland befand, denn kurz nach der ersten Sing- und Stellprobe gings auch gleich auf einen Fussballplatz. Es dauerte nicht lange, bis sich die jungen Sänger mit viel Hingabe dem Deutschen Volkssport widmeten. Bald schon waren die ersten Ballstafetten und gelungenen Spielzüge zu bewundern. Ein Hauch brasilianischen Fussballzaubers wehte durchs Glottertal. Als sich danach die Gemüter abgekühlt hatten, fand die Verteilung auf die Gastfamilien statt, was während der ganzen Reise immer von vielen mehr oder weniger ernst gemeinten Emotionen geprägt war.



Bei der Gastfamilie angekommen, ging es in erster Linie darum, sich wieder zu stärken, denn am Abend stand bereits der erste Auftritt in Form der musikalischen Gestaltung des samstagabendlichen Gottesdienstes an. Viele Sänger waren froh, dass nicht schon am ersten Abend ein volles Konzert auf dem Programm stand, was man jedoch von den vielen begeisterten Gottesdienstbesuchern nicht behaupten kann, denn die hätten gerne noch ein wenig länger zugehört.

Ab ins Bundesland Hessen

Nach diesem gelungenen Auftakt im Süden Deutschlands machte sich der Bus auf den Weg nach Wiesbaden, der hessischen Landeshauptstadt und Heimatstadt des Reiseleiters Wolfgang Lehmann. Diesmal waren die Singknaben beim Wiesbadener Knabenchor zu Gast, mit dem sie abends ein gemeinsames Konzert veranstalteten. Den Höhepunkt bildete das gemeinsame Finale, in dem alle Chorsänger zusammen das Konzert mit dem Gloria von Johann Christoph Friedrich Bach beendeten. Nach dem Konzert hielten sich die älteren Sänger beider Chöre und die Musiker noch bis tief in die Nacht in der Wiesbadener Innenstadt auf. Am nächsten Morgen mussten aber alle früh aus den Federn. Fritzlar, ein schmuckes nordhessisches Städtchen mitten in Deutschland, war das nächste Ziel. Bekannt ist die Stadt für die vielen Riegelbauten und den über 1000-jährigen Dom, in dem der Chor abends ein sehr stimmungsvolles Konzert gab und das Publikum während rund 80 Minuten in seinen Bann zogen.



Grosse Gastfreundschaft

Nachdem die Singknaben am nächsten Morgen ausführlich über die interessante und langjährige Geschichte der Stadt Fritzlar und ihres Doms aufgeklärt worden waren, gings weiter nach Göttingen. Die grosse Gastfreundschaft, mit der alle Gastgeber den Singknaben entgegengekommen sind, zeigte sich auch beim offiziellen Empfang im alten Rathaus durch den Bürgermeister in eindrücklicher Weise. Auch In den Gastfamilien fühlten sich alle sehr wohl, was auch mit den sprachlichen Gemeinsamkeiten zusammenhängen mag. Tags darauf machte sich der Chor auf den Weg in Richtung Aachen.
Das Aachener Achteck

In Aachen, der Stadt, die im Alphabet immer ganz vorne liegt, und die sich am Dreiländereck Deutschland-Niederlande-Belgien befindet, steht ein Kaiserdom. Karl der Grosse liess zu Lebzeiten um 800 eine acht-eckige Hofkapelle errichten. Diese nahm mit den Jahren durch diverse An- und Ausbauten ein riesiges Ausmass an und stellt nun das Wahrzeichen der Stadt dar. Das Konzert fand im Achteck des Doms statt. Ein spezielles Erlebnis für alle Konzertierenden, wie auch für die Zuhörer, die den Chor mit tosendem Applaus verabschiedeten.



Es folgte ein konzertloser Tag mit Übernachtung in der Jugendher-berge in Wiesbaden, den die meisten mit Fussball spielen verbrachten oder beim Spiel mit dem Frisbee ungeahnte sportliche und feinmotorische Fähigkeiten erahnen liessen. Auf so viel sportliche Betätigung folgte eine leider viel zu kurz geratene Nacht, denn um Punkt neun Uhr morgens stand der Bus vor der Tür und die Reise ging weiter, ab in den Süden nach Stuttgart.

Süddeutschland

Stuttgart – eine Grossstadt mit rund 600 000 Einwohnern – war die grösste Station auf der diesjährigen Konzertreise und die Sänger staunten nicht schlecht, als sie ihre Konzertkirche mitten in einem ziemlich ausgestorben wirkenden Wohnquartier ausserhalb Stuttgarts vorfanden. Kam dazu, dass die meisten Sänger in einem Vorort ganz am anderen Ende der Stadt untergebracht waren, was zu sehr langen und zum Teil auch waghalsigen Anfahrts-wegen quer durch Stuttgart führte.



Als letzte Destination auf der Deutschland-Tournee stand Heilbronn auf dem Programm. Heilbronn ist offizielle Partnerstadt Solothurns, was Grund dafür war, dass alle Sänger im grossen Saal des Heilbronner Rathauses offiziell von der ersten Bürgermeisterin, die in Ihrer kurzen Ansprache die Städtepartnerschaft mit Solothurn würdigte und die Solothurner herzlich willkommen hiess, empfangen wurden. Am abschliessenden Konzert in der Kilianskirche zeigten sich nochmals alle von ihrer besten Seite und setzen einen wunderbaren musikalischen Schlusspunkt hinter die von Wolfgang Lehmann wiederum perfekt organisierte Konzertreise. Diese war allerdings noch nicht ganz zu Ende.

Auf 2100 Kilometern quer durch Deutschland

Beim abschliessenden Abstecher in den Europa Park konnten sich nochmals alle so richtig austoben und bei der rasanten Fahrt auf der Achterbahn den Adrenalinspiegel hochschnellen lassen. Ein letzter Höhepunkt unter vielen, welche die Sänger, Musiker, Chorleiter, Reiseleiter und Busfahrer auf diesen acht Tagen und 2100 Kilometern quer durch Deutschland erlebten.

Matthias Lüdi


Singknaben der St. Ursenkathedrale Solothurn : Postfach 1924 : 4502 Solothurn : Impressum