
|

|
Gedanken zu meiner 25-jährigen Tätigkeit als musikalischer Leiter
Wenn sich das Erwachsensein und das Kindsein irgendwo berühren,
dann ist dies in der Musik. Ja Kinder sind in der Merkfähigkeit den Erwachsenen sogar überlegen und haben eine weitaus grössere Erlebnisfähigkeit. Emotion ist bei ihnen nicht reflektiert wie bei Erwachsenen,
sondern ursprünglich, direkt. Allerdings müssen Kinder zuerst zum Erlebnis Musik herangeführt werden. Dies darf nicht mit trockenen Übungen geschehen, sondern der Weg führt über Vorstellungen, Spiele und
Erlebnisse. Plötzlich erwachen junge Menschen und dringen dann in die
künstlerische Ebene vor; das Chorsingen wird vielleicht sogar zur wichtigsten Nebensache.
Wie schon erwähnt, die Merkfähigkeit der Kinder ist gross: Bereits nach
einigen Proben singen die kleinen Sänger Teile aus dem Weihnachtsoratorium von Bach auswendig vor' Die Speicherung muss aber über
das spontane Erleben der Musik und nicht über den Intellekt gehen; das
Ton - Erleben ist anfänglich wichtiger, als das sogenannte Blattsingen.
Später führt dann die Methode des relativen Blattsingens an das eigentliche Musizieren heran. Bald einmal erfahren die jungen Sänger:
Wer sieht was er singt, der singt was er sieht.
|
Ich erlaube mir mit der traditionellen Tonika-Do Methode ins Gericht zu
gehen. Ich finde diese Übungen auch in der Schule weniger geeignet, da
sie eine intellektuelle Angelegenheit sind und Kindern eigentlich fern
stehen. Vielmehr geht es um ein möglichst grosses Liedgut anzubieten
und kennenzulernen. Vielleicht müsste eines Tages das Fach Singen,
anstelle des Fachs Musik wieder eingeführt werden Auch sollte sich die
Lehrerausbildung zum Ziele setzen, zukünftig Lehrkräfte so auszubilden, dass sie in der Lage sind Lieder am Klavier oder mit der Gitarre
begleiten zu können. Meines Erachtens sollten jährlich 40 oder mehr
Lieder in der Schule erlernt werden. Die notwendigen Musiktheoriekenntnisse müssten dann im Instrumentaiunterricht erarbeitet werden
und zwar das absolute Notensystem in kleinen Schritten.
Zu meinen schönsten Erlebnissen mit Kindern gehört die Erfahrung, wie
junge Sänger im Konzert zu leuchten anfangen und im Klang des Chores
völlig aufgehen. Ist es einmal so weit gekommen, wird das Chorsingen
häufig zu einem Teil des Lebens.
Peter Scherer
|